← Zurück zum Blog

Internet für Senioren: so kommen Oma und Opa ohne Vorwissen online

Von Deniz Akkaya, Marketing Manager· Veröffentlicht am
Ein Mann um die 80 tippt am Esstisch selbst auf ein Tablet im Ständer, sein erwachsener Sohn sitzt daneben und schaut nur zu.

So begleitest du Oma oder Opa ins Internet. Ein Leitfaden zu Gerät, Anschluss, Lernangeboten und Sicherheit.

Arzttermine, Bahntickets, Fotos der Enkel: Vieles läuft heute über das Internet. Wer nie online war, stößt im Alltag öfter an Grenzen. Das Statistische Bundesamt schreibt, dass der Alltag ohne Internet zunehmend schwieriger wird.

2025 hatte rund jede zehnte Person zwischen 65 und 74 Jahren das Internet noch nie genutzt (Statistisches Bundesamt, 2026). Wer 75 oder älter ist, taucht in dieser Statistik gar nicht auf.

Online gehen braucht vier Dinge: ein passendes Gerät, eine Verbindung, jemanden, der beim Lernen hilft, und ein paar Regeln für die Sicherheit. Genau in dieser Reihenfolge gehen wir vor.

Erst klären: Wofür soll es sein?

Fang nicht beim Gerät an. Fang bei dem an, was deine Oma damit tun möchte. Vielleicht will sie die Fotos der Enkel sehen, mit der Familie per Video sprechen oder morgens die Zeitung lesen. Zwei, drei Ziele reichen für den Anfang. Alles andere kann warten.

Frag sie, nicht dich. Es ist ihr Gerät und ihr Tempo.

Welches Gerät passt?

  • Smartphone: klein, immer dabei, gut für Nachrichten und Fotos. Das Tippen auf dem kleinen Bildschirm fällt manchen schwer.

  • Tablet: großer Bildschirm, gut für Videoanrufe, Zeitung und Fotos, weil alles größer dargestellt wird.

  • Computer oder Laptop: passt zu allen, die viel schreiben oder früher im Beruf damit gearbeitet haben.

  • Geräte mit Sprachsteuerung: für alle, denen Tippen schwerfällt. Man sagt, was man möchte, statt Menüs zu suchen.

Wer nur telefonieren möchte, braucht kein Internet. Dafür reicht ein einfaches Handy mit großen Tasten. Auch ein Smartphone ohne Datentarif telefoniert und schreibt SMS. Für Messenger, Videoanrufe und neue Fotos von der Familie braucht es aber Internet.

Worauf es bei der Wahl im Detail ankommt, steht in unserem Beitrag Welches Tablet für Oma: worauf es wirklich ankommt. Wie du ein Tablet danach Schritt für Schritt einrichtest, zeigt der Ratgeber Tablet einrichten: Konto, Sicherung, Startbildschirm.

Der Anschluss: WLAN, SIM-Karte oder beides

Für alles, was online läuft, braucht das Gerät eine Verbindung. Es gibt drei übliche Wege.

WLAN über einen Festnetzanschluss

Hat deine Oma schon Internet über den Telefonanschluss, ist WLAN meist die einfachste Lösung. Name und Passwort des WLANs stehen oft auf der Rückseite des Routers. Schreib beides zusätzlich groß auf einen Zettel. Wie gut ihre Adresse mit Internet versorgt ist, zeigt der kostenlose Breitbandatlas der Bundesnetzagentur.

Mobiles Internet über eine SIM-Karte

Ein Smartphone oder Tablet mit SIM-Karte und Datentarif ist vom Festnetz unabhängig. Für den Anfang ist ein Prepaid-Tarif oft die ruhigere Wahl. Ohne automatische Aufladung wird nur das Guthaben verbraucht, das vorher aufgeladen wurde.

Mobiler WLAN-Router

Ein kleiner Router mit SIM-Karte macht aus Mobilfunk ein WLAN für zu Hause. Das passt, wenn es keinen Festnetzanschluss gibt oder mehrere Geräte online sollen.

Im Pflegeheim oder im betreuten Wohnen fragt ihr zuerst, ob es WLAN in den Zimmern gibt. Manche Geräte bringen eine eigene SIM-Karte mit. Welche Wege es ohne WLAN gibt, zeigt zum Beispiel unser Ratgeber zum digitalen Bilderrahmen mit App. Auch unser eigenes Gerät Amara Home bedient man mit der Stimme. Es läuft mit WLAN oder alternativ mit einer integrierten SIM-Karte.

Wo man Internet lernen kann

Manches lernt man leichter von jemandem, der nicht zur Familie gehört. Da fällt auch die dritte Nachfrage leichter.

Der Digital-Kompass ist ein Projekt der BAGSO und des Vereins Deutschland sicher im Netz. Er hat bundesweit über 300 Standorte mit Technikberatung, offenen Sprechstunden und Kursen (Digital-Kompass, 2026). Über die Standortsuche findest du per Postleitzahl einen Ort in eurer Umgebung.

Die Initiative DigitalPakt Alter der BAGSO wird vom Bundesfamilienministerium gefördert. Auf ihrer Website zeigt sie mehr als 350 Erfahrungsorte mit Lern- und Beratungsangeboten vor Ort (DigitalPakt Alter, 2026).

Volkshochschulen bieten Kurse rund um die digitale Welt an. Im vhs-Kursfinder des Deutschen Volkshochschul-Verbands suchst du nach Stichworten wie „Smartphone“ oder „Tablet“ und nach eurem Ort. Ob ein Angebot etwas kostet, erfährst du direkt bei der Stelle vor Ort.

Und wenn du selbst erklärst:

  • Lass sie selbst tippen. Deine Hand bleibt auf dem Tisch.

  • Erklär einen Schritt, dann übt ihr ihn. Erst danach kommt der nächste.

  • Schreibt gemeinsam einen Spickzettel in ihren Worten, nicht in deinen.

  • Lieber kurz und oft üben als einmal lang.

Der erste Videoanruf ist oft ein gutes erstes Ziel. Wie er gelingt, zeigt unser Ratgeber Videotelefonie: Schritt für Schritt zum ersten Anruf.

Sicher online: die wichtigsten Regeln

  • Bei Geldbitten per Nachricht immer unter der bekannten Nummer zurückrufen. Die Polizei warnt vor Nachrichten wie „Hallo Mama, hallo Papa, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Handynummer“ (Polizeiliche Kriminalprävention).

  • Vereinbart in der Familie eine feste Regel: Wir bitten nie per Nachricht um Geld.

  • Für jedes Konto ein eigenes Passwort, am besten verwaltet mit einem Passwortmanager. Wo es geht, kommt eine Zwei-Faktor-Anmeldung dazu (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik).

  • Updates eingeschaltet lassen.

  • Kein Zahlungsmittel im Gerät hinterlegen, solange sie sich nicht sicher fühlt.

  • Welche Betrugsmaschen gerade kursieren, zeigt das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale NRW.

Und das Wichtigste: Sie kann dich jederzeit fragen, auch zum fünften Mal. Eine Frage zu viel ist besser als ein Klick zu viel.

Häufige Fragen

Wo gibt es Hilfe, um ins Internet zu kommen?

Hilfe gibt es beim Digital-Kompass, an den Erfahrungsorten des DigitalPakts Alter und in Kursen der Volkshochschulen. Ob ein Angebot etwas kostet, erfährst du vor Ort.

Braucht ein Smartphone unbedingt Internet?

Nein. Telefonieren und SMS gehen auch ohne Datentarif. Für Messenger, Videoanrufe und neue Fotos von der Familie braucht es aber eine Verbindung, per WLAN oder SIM-Karte.

Welcher Anschluss ist für Oma am einfachsten?

Gibt es schon Internet über den Telefonanschluss, ist WLAN meist am einfachsten. Ohne Festnetz passt ein Gerät mit SIM-Karte oder ein mobiler WLAN-Router.

Wie schützt man Oma vor Betrug im Internet?

Mit wenigen festen Regeln: bei Geldbitten immer unter der bekannten Nummer zurückrufen, für jedes Konto ein eigenes Passwort, Updates an und kein hinterlegtes Zahlungsmittel. Und mit der Gewissheit, dass sie dich jederzeit fragen kann.

Bildhinweis: Die Fotos auf dieser Seite wurden mit KI erstellt. Sie zeigen keine realen Personen.